Biographie

Am 25.Februar des Jahres 1958 erblickte ich in Köln das Licht der Welt. Die ersten Jahre verbrachte ich in der Gesellschaft meines Bruders und meiner Eltern. Ich war ausgesprochen lebhaft und voller Abenteuerlust. Mit 13 Jahren änderte sich dann vieles. Mein Vater erkrankte an Krebs und starb 2 Jahre später. Dadurch wurde ich sehr schnell selbständig und erwachsen. Nach Beendigung der Realschule begann ich eine Ausbildung zur Biologielaborantin. Die wissenschaftliche Arbeit interessierte mich, doch die damit verbundenen Tierversuche belasteten mich sehr und mir wurde klar, dies war nicht mein Traumberuf. In dieser Zeit kaufte ich mein erstes eigenes Pony und bekam Kontakt zur Sattlerei und zum Leder. Die Faszination war so groß, dass ich direkt nach Abschluss der Laborantenlehre eine Sattlerlehre bei der Firma Waldhausen in Köln anschloss. Mit dem Ende der Lehrzeit wechselte ich in die Sattlerei des Reitsportgeschäftes Hackenbroch. Diese Kombination von Ausbildung in einem Industriebetrieb, die Herstellung größerer Stückzahlen, die damit verbundenen langen Übungs- bzw. Einarbeitungsphasen und dem anschliessenden Wechsel in einen kleineren Handwerksbetrieb, wo Flexibilität und Eigeninitiative gefragt waren, find ich auch heute noch sehr gut.

Ich lernte meinen Mann kennen und heiratete. 1983 kauften wir einen alten Restbauernhof im Bergischen Land, den wir gemeinsam mit den Schwiegereltern bezogen. Nach der Geburt unseres ersten Sohnes 1985 hörte ich auf in Köln zu arbeiten und eröffnete im Haus ein kleines Reitsportgeschäft. 2 Jahre später wurde unser zweiter Sohn geboren. Das Leben in einem kleinen Dorf, in dem nur wenig junge Leute zu Hause sind, war oft sehr einsam. Mir fehlte der Kontakt zu anderen Menschen, der Austausch. Kurz gesagt, mir fiel zuhause die Decke auf den Kopf. Ich mußte raus. Da auch das Lädchen kaum Publikumsverkehr hatte, beschloss ich, eine Halbtagsstelle in einem Büro anzunehmen. Nach 6 Monaten wurde diese Stelle gestrichen, und die gebotene Alternative bestand aus Akkordarbeit und Wechselschicht. Ich sah es als Herausforderung, aber mein Anspruch an mich war wesentlich höher. Also überlegte ich mir, was ich ändern könnte, entdeckte mein Faible für Zahlen und Computer und machte eine Umschulung zur Industriekauffrau. Ich arbeitete 4 Jahre in diesem Beruf.
Die ganzen Jahre über lief das Reitsportlädchen und die Werkstatt nebenher weiter. Immer im Schatten, fast nebenbei, aber immer war dieser Bereich so wichtig, dass ich damit nicht aufhören wollte. Gleichzeitig fehlte mir der Mut und das Selbstvertrauen mich völlig darauf einzulassen. Ausgelöst durch verschiedene Umstände entschied ich mich dann endlich 1999 ganz für die Sattlerei. Ich machte meine Meisterprüfung, um eine, für mich wichtige, Basis zu schaffen. Zur selben Zeit wurde immer klarer, dass meine Ehe gescheitert war. Wenn man den Respekt voreinander verliert, und sich gegenseitig in der eigenen Entwicklung behindert, ist es besser, sich zu trennen. Wir haben dies erkannt und es geschafft, unsere Ehe in Frieden zu beenden.

Für mich hat ein neues Leben angefangen. Ich lebe weiterhin auf unserem Hof, die Schwiegereltern sind ausgezogen und meine beiden Jungs fast erwachsen. Wir drei haben uns ein sehr gutes Verhältnis zu einander aufgebaut. Nicht frei von Spannungen, das wäre unrealistisch, aber mit einem sehr offenen, vertrauens- und respektvollem Umgang miteinander. Durch meinen wachsenden Kundenkreis lerne ich immer wieder interessante Menschen kennen und bekomme vielseitige Arbeit. Gerade so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Meine Liebe zur Sattlerei, zum Leder und zum Handwerk wird immer intensiver. Die Faszination für das Kunsthandwerk nimmt dabei, neben dem Pferdesportbereich, einen immer größeren Raum ein. Diesmal ist die Entscheidung zur Sattlerei endgültig und ich habe volles Vertrauen zu ihr.

Wenn ich dies alles jetzt rückblickend betrachte stelle ich fest, dass ich bisher ein sehr reiches Leben hatte. Es war selten einfach und unkompliziert, aber dafür nie langweilig, sondern vollgepackt mit Leben und Erfahrungen, interessant und ausgefüllt. Aber am schönsten finde ich, dass ich die Möglichkeit habe es noch einmal vollkommen frei zu gestalten. Ich bin gespannt auf die nächsten 50 Jahre, auf das, was alles noch kommen wird. Vielleicht lernen wir uns ja sogar einmal persönlich kennen, ich würde mich freuen.

Ihre Ursula Gehlhaar